Eine DALI-Anlage arbeitet typischerweise mit rund 16 Volt Busspannung. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass jede für kleine Signalspannungen gedachte Leitung für die Installation geeignet ist. Entscheidend ist, wie die DALI-Schnittstellen gegenüber der Netzversorgung getrennt sind – und welche Anforderungen sich daraus für den gesamten Steuerstromkreis ergeben.
Die Kernaussage: Bei einer DALI-Schnittstelle ohne sichere Trennung ist nicht gewährleistet, dass im Fehlerfall keine Netzspannung auf den DALI-Steueranschlüssen anliegt. Für die hier beschriebene übliche DALI-Installation mit nicht sicher getrennten Schnittstellen ist die Verwendung üblicher J-Y(St)Y-Fernmeldeleitungen nicht zulässig.
Was die 16 Volt aussagen – und was nicht
Die Busspannung beschreibt den normalen Betrieb der DALI-Kommunikation. Sie sagt für sich genommen nichts darüber aus, ob ein sicher getrennter Stromkreis vorliegt. Die DALI Alliance nennt für die Busversorgung typischerweise 16 Volt. Die elektrischen Schutzanforderungen müssen zusätzlich anhand der eingesetzten Komponenten bewertet werden.
SELV bezeichnet eine Schutzkleinspannung mit entsprechenden Anforderungen an die sichere Trennung von Stromkreisen höherer Spannung. Eine lediglich niedrige Betriebsspannung erfüllt diese Anforderungen nicht automatisch.
Bei üblichen netzversorgten DALI-Betriebsgeräten ist diese sichere Trennung zwischen Netzversorgung und DALI-Anschluss nicht vorauszusetzen. Hersteller weisen deshalb ausdrücklich darauf hin, dass die DALI-Schnittstelle kein SELV ist und die Steuerleitung entsprechend den Anforderungen der Netzspannungsinstallation auszuführen ist. Ein Beispiel findet sich im DALI-Handbuch von Tridonic, Abschnitt 4.2.3.
Der Fehlerfall entscheidet über das Schutzkonzept
Im Normalbetrieb liegen am DALI-Bus nicht einfach 230 Volt an. Fehlt jedoch die sichere Trennung zur Netzseite, muss das Schutzkonzept eine mögliche Übertragung gefährlicher Spannung auf den Steuerstromkreis berücksichtigen.
Das betrifft mehr als die Auswahl zweier Drähte. Leitungen, Anschlussstellen, Klemmen, Gehäuse und die Trennung zu anderen Stromkreisen müssen zur elektrischen Ausführung passen. Ein separat verlegtes Buskabel schafft noch keine sichere Trennung innerhalb eines angeschlossenen Betriebsgeräts.
Entscheidend ist die elektrische Trennung aller angeschlossenen Geräte. Die niedrige Busspannung allein macht DALI nicht zu einem SELV-Stromkreis.
DALI-Anschluss und LED-Ausgang sind unterschiedliche Schnittstellen
Die Bezeichnung „Sekundärseite“ ist hier zu ungenau. Ein LED-Treiber kann einen sicher getrennten Ausgang für die LED-Module besitzen und gleichzeitig einen DALI-Steuereingang, der nicht als SELV ausgeführt ist. Ein SELV-Hinweis zum LED-Ausgang darf daher nicht ungeprüft auf die DALI-Anschlüsse übertragen werden.
Ein konkretes Herstellerbeispiel ist ein Tridonic-LED-Treiber mit SELV-Ausgang und ausdrücklich nicht als SELV ausgeführtem Steuersignal, siehe Abschnitt 5.3. Für die Leitungsauswahl zählen die Angaben zur tatsächlich verwendeten Schnittstelle.
Warum übliche J-Y(St)Y-Fernmeldeleitungen hier nicht zulässig sind
Übliche J-Y(St)Y-Fernmeldeleitungen erfüllen nicht die für den hier beschriebenen, nicht sicher getrennten DALI-Steuerstromkreis erforderliche Eignung für Netzspannungsinstallationen. Ihre Verwendung ist unter diesen Bedingungen nicht zulässig – auch wenn die Kommunikation mit der Leitung zunächst funktioniert.
Ein LAPP-Datenblatt für J-Y(ST)Y…LG nennt beispielsweise 800 Volt Prüfspannung, schließt aber zugleich Anwendungen an der Netzversorgung aus. Eine hohe Prüfspannung darf also nicht als zulässige dauerhafte Betriebsspannung interpretiert werden.
Dabei sind drei Angaben auseinanderzuhalten:
- Betriebsspannung: Für welche dauerhafte elektrische Beanspruchung ist die Leitung unter den angegebenen Bedingungen ausgelegt?
- Spitzenwert oder Effektivwert: Auf welche Spannungsgröße bezieht sich die Zahl im Datenblatt?
- Prüfspannung: Mit welcher Spannung wurde die Isolation unter festgelegten Prüfbedingungen geprüft?
Ein Rechenbeispiel verdeutlicht den zweiten Punkt: Bei einer sinusförmigen Wechselspannung entsprechen 230 Volt Effektivwert rund 325 Volt Spitzenwert. Eine Angabe von 300 Volt Spitzenwert wäre deshalb keine 300-Volt-AC-Freigabe. Welche Angabe für ein bestimmtes Produkt gilt, muss dessen Datenblatt eindeutig beantworten.
Auch eine Abschirmung ersetzt keinen Nachweis der erforderlichen Isolation. Sie betrifft andere Eigenschaften der Leitung und macht aus einer Fernmeldeleitung keine netzspannungsgeeignete Installationsleitung.
Welche Leitung kommt für eine übliche DALI-Installation infrage?
Ein verbreitetes Konzept ist die gemeinsame Führung von Netzversorgung und DALI-Kommunikation in einer geeigneten fünfadrigen Installationsleitung: L, N und PE für die Versorgung sowie zwei weitere Adern für DALI. Die Gruppenbildung und Bedienung erfolgen anschließend über die Steuerung. Tridonic beschreibt dieses Prinzip in seinem DALI-Handbuch.
Je nach Projekt kommen beispielsweise geeignete NYM-Leitungen oder andere für die erforderliche Spannung und Verlegeart nachgewiesene Leitungen infrage. Die konkrete Auswahl berücksichtigt außerdem Anschlussklemmen, mechanische Bedingungen, Brandschutzanforderungen und Herstellervorgaben.
Eine getrennte Führung der DALI-Steuerleitung ist ebenfalls möglich. Ihre erforderliche elektrische Eignung bleibt dabei bestehen. Ebenso wenig genügt bei einer vermeintlich passenden Busleitung der Hinweis „für KNX geeignet“: Eine Freigabe für eine andere Busanwendung ersetzt nicht die Prüfung der konkreten DALI-Anwendung.
Querschnitt und Spannungsfall zusätzlich prüfen
Eine geeignete Isolation stellt noch keine störungsfreie Kommunikation sicher. Der Leiterquerschnitt muss zusätzlich zu Entfernung, Busstrom und zulässigem Spannungsfall passen.
Bei Fernmeldeleitungen werden häufig Leiterdurchmesser angegeben. 0,8 mm Durchmesser sind nicht 0,8 mm² Querschnitt, sondern rechnerisch etwa 0,50 mm². Diese Unterscheidung ist bei der Auslegung wichtig.
Für leitungsgebundenes DALI nennt die DALI Alliance maximal 300 Meter zwischen den am weitesten voneinander entfernten Geräten. Das ist keine pauschale Freigabe für jeden Leiterquerschnitt. Die tatsächlich mögliche Leitungslänge ist anhand der gewählten Komponenten und Leitungsdaten zu beurteilen.
So gehen wir bei Systega vor
Wir betrachten DALI als Teil der elektrischen Anlage. Gemeinsam mit dem ausführenden Elektrobetrieb klären wir frühzeitig:
- Welche Schutz- und Isolationsangaben gelten für die DALI-Schnittstellen aller eingesetzten Geräte?
- Ist die konkrete Leitung für die erforderliche Spannung und Verlegeart geeignet?
- Passen Querschnitt, Busstrom und Entfernungen zusammen?
- Sind Klemmen, Anschlussräume und die Trennung zu anderen Stromkreisen entsprechend ausgeführt?
- Sind Segmentierung, Zuordnung und die gewählten Komponenten nachvollziehbar dokumentiert?
Bei einer bestehenden Anlage mit unbekannter Leitung folgt daraus zunächst eine Bestandsaufnahme durch eine Elektrofachkraft. Dass die Leuchten schalten und dimmen, ist kein Nachweis für ein geeignetes Schutzkonzept. Eine bloße Änderung der Parametrierung behebt keine ungeeignete Isolation.
Unsere Empfehlung
Für die übliche DALI-Installation mit nicht sicher getrennten Schnittstellen planen wir eine für die erforderliche Netzspannung geeignete Leitungsführung. Übliche J-Y(St)Y-Fernmeldeleitungen dürfen für diese Ausführung nicht verwendet werden.
So bleibt die Entscheidung fachlich nachvollziehbar: nicht die gemessenen 16 Volt allein bestimmen die Leitung, sondern die Anforderungen an die elektrische Anlage im normalen Betrieb und im Fehlerfall.
Mehr zu DALI-Lichtsteuerung, Standalone-Systemen und Gateway-Anbindung. Für die Abstimmung Ihrer Anlage sprechen Sie uns an.
Fachquellen
- DALI Alliance: Systeme und Komponenten – Busversorgung und Leitungslänge.
- Tridonic: DALI Manual, Ausgabe März 2020, Abschnitt 4.2.3 – Anforderungen an die Verdrahtung und Einordnung der Schnittstelle.
- Tridonic: Datenblatt LC 50W 350–1050mA 50V o4a NF lp PRE3, Abschnitt 5.3 – Unterscheidung zwischen LED-Ausgang und Steuerschnittstelle.
- LAPP: Datenblatt DB1708001EN, Stand September 2021 – Beispiel für Anwendungsgrenzen und Prüfspannungsangaben einer J-Y(ST)Y-Leitung.
Redaktion: Systega Gebäudeautomation · Stand: Oktober 2026.